Das Konzept

In meinem Mathematikunterricht arbeite ich gern mit freieren Arbeitsformen, da die Schüler entsprechend ihres Niveaus besser gefördert werden können. Trotz allem hat sich für mich als Pädagogin das Problem der „Hausaufgaben“ nicht geklärt. Einige Probleme gibt es immer wieder durch Übungen zuhause:

  • Manche Schüler/innen machen zuhause gar keine Übungen.

  • Andere haben große Schwierigkeiten die Aufgaben zu lösen, da sie noch mehr geführte Übungen bräuchten.

  • Wieder andere haben keine große Lust und „kämpfen“ mit den Eltern.

  • Ein weiteres Grüppchen hat vergessen, wie man die Aufgaben löst und erhält Hilfe durch ihrere Eltern.

Schon seit langer Zeit bin ich am Überlegen, wie man dieses Dilemma „Hausaufgaben“ verbessern könne. Nun bin ich auf ein Konzept gestoßen, das in den USA schon weit verbreitet ist. In Deutschland gibt es bis jetzt erst wenige Kollegen, die damit arbeiten. Zum Großteil liegt das vermutlich an der Unbekanntheit, aber auch am eigenen Arbeitsaufwand.

Der Mathematikunterricht beruht grundsätzlich auf Einführungsphasen, in denen das neue Thema erarbeitet wird und den Übungsphasen, in denen man das Gelernte anwendet. Diese beiden Phasen sind meist so aufgeteilt, dass ein Großteil der Übungen zu Hause als „Hausaufgabe“ gemacht werden. Viele Schüler bräuchten allerdings noch eine zweite oder dritte Wiederholung der Einführung, um Übungen selbstständig (ohne Hilfe der Eltern) lösen zu können. So entsteht daheim oft viel Frust, da Aufgaben nicht gelöst werden können.

Im „flipped classroom“ ist der Unterricht vertauscht. Man tauscht die beiden Unterrichtsphasen aus. Die Einführungsphase findet nun zuhause und die Übungsphase komplett in der Schule statt.

aktueller Mathematikunterricht:

flipped classroom:

Wie soll das gehen?
Die Einführung findet über den Lehrer selbst statt. Dies ist zu Hause in Form von Videos möglich. Dieses Video wurde vom Lehrer entweder selbst gestaltet oder ist im Internet frei zugänglich. Die „Hausaufgabe“ besteht also darin den mathematischen Inhalt sich theoretisch anzueignen. In der nächsten Schulstunde werden passend dazu Übungen gemacht.

Welche Vorteile bringt das mit sich?
Die Übungsphase fällt im Unterricht normalerweise sehr gering aus, da die Einführung und die Wiederholung der Einführung viel Zeit in Anspruch nehmen. Diese Kürzung der Zeit findet im neuen Modell nicht mehr statt. Ganze Schulstunden können zum Üben und Fragenstellen verwendet werden. In diesen Unterrichtsstunden können verschiedene Konzepte greifen: Mitschüler können gefragt werden, man kann gemeinsam üben oder den Lehrer um Hilfe bitten, was zuhause alles nicht möglich ist. Die Übungsphasen finden nun fundierter statt und keiner kann sie „vergessen“. Somit gibt es mehr Festigung der Inhalte und mehr Ruhe daheim beim „Kampf mit den Hausaufgaben“.

Zuhause die Erklärung anzusehen, kann bei einigen Schülern die Motivation steigern, da sie mit dem Computer und dem Internet arbeiten müssen. Das Video kann an jeder Stelle angehalten werden, um etwas nachzuvollziehen, einen Teil nochmals anzuschauen oder auch nur um eine Pause zu machen. Ebenso kann der Schüler für ein ruhiges Umfeld sorgen, was je nach Klasse im Unterricht schwieriger ist. Besonders schwache Schüler können die Erklärungen (die mit Bildern unterlegt sind) mehrmals anschauen und nach und nach ein Verständnis für den mathematischen Sachverhalt entwickeln. Das selbstständige Einschätzen, wie oft ein Erklär-Film geschaut wird, fördert die Selbstverantwortung des Schülers.

Welche Nachteile sind vorhanden?

Eine unmittelbar auftauchende Frage beim Videoschauen kann nicht sofort beantwortet werden. Hier ist es möglich diese Frage direkt zu Beginn der Schulstunde zu stellen. Somit gibt es eine minimale Wiederholung. Das Video selbst und auch dessen Inhalt wird im Unterricht nicht mehr wiederholt. Schüler, die ein Einführungsvideo zuhause nicht geschaut haben, kommen in der folgenden Mathematikstunde schwer hinterher. Auch muss jeder Schüler die Möglichkeit haben an ein Gerät mit Internetzugang zu kommen.

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